Eintritt für einen Alpensee ist unbequem – und wahrscheinlich richtig
Eine Bezahlschranke am beliebten Bergsee wirkt falsch – bis man an die Menschenmassen denkt. Die Gebühr ist nur vertretbar, wenn sie echtes Management und fairen Zugang bringt.
Foto: Sabrina Schreiber / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Soll man dafür bezahlen, einen See anzuschauen? Instinktiv nein. Die Natur soll das Einzige sein, wofür es keinen Ticketschalter gibt. Und doch fällt es zunehmend schwer, gegen die Idee zu argumentieren, wenn man sich Tausende Menschen vorstellt, die an einem Sommertag an ein und demselben Ufer zusammenströmen.
Der jüngste Fall kommt aus der Schweiz. Wie nordbayern berichtet und sich dabei auf das Schweizer Portal Plattform J beruft, wird derzeit geprüft, ob der Zugang zum Oeschinensee in der Schweiz künftig für Wanderer mit einer Eintrittsgebühr verbunden sein soll. Die Schlagzeile nennt mehr als 7.000 Besucher. Der uns vorliegende Auszug sagt nicht, wie viel verlangt würde, wann und über welchen Zeitraum diese Zahl erfasst wurde – wir spekulieren daher nicht. Es handelt sich um einen Vorschlag, der geprüft wird, nicht um eine beschlossene Sache.
Der Eibsee zeigt, was Menschenmassen kosten
Anderswo in den Alpen zeigt der Eibsee unterhalb der Zugspitze denselben Druck. Er ist zu einem Hit in den sozialen Medien geworden und trägt den Beinamen „Bayerische Karibik“. AFP beschrieb, was Besucher dort zuerst erwartet: überfüllte Busse, Staus und ein voller Parkplatz. Ein kommunaler Vertreter, Christian Andrae, sagte, er freue sich, dass die Menschen den See schätzen, doch die Massen erinnerten ihn manchmal an „Massenveranstaltungen“ wie das Oktoberfest.
Das ist das leise Argument für eine Gebühr. Menschenmassen gibt es nie umsonst. Irgendjemand bezahlt die tägliche Müllabfuhr, die überlastete Infrastruktur und die Geduld der Anwohner. Zahlen Besucher am Eingang nichts, landet die Rechnung vermutlich eher beim Dorf als beim Gast.
Eine Gebühr ist ein Instrument, keine moralische Haltung
Wir halten das Prinzip für tragfähig: Wenn ein Ort seine Besucher nicht verkraften kann, sind Preis und Zugangsregeln ein gerechterer Filter als die Alternative – ein schlechteres Erlebnis für alle und eine schleichende Schädigung des Ufers. Nicht das Drehkreuz ist hier der Schurke, sondern der Andrang.
Aber ob es „funktioniert“, hängt von drei Bedingungen ab; ohne sie ist eine Bezahlschranke nur eine Steuer auf Bewunderung.
Erstens muss das Geld sichtbar am See ankommen: für Wege, Toiletten, Müllentsorgung, Ranger und einen Transport, der nicht aus endlosen Autokolonnen auf Parkplatzsuche besteht. Verschwinden die Einnahmen in einem allgemeinen Haushalt, hat die Gebühr den Ärger verdient, den sie auslöst.
Zweitens muss sie Spitzen steuern und nicht bloß zu Geld machen. Eine Pauschale, die den vollsten Samstag im August so überlaufen lässt wie zuvor, ist nur eine Eintrittskarte in die Menge. Zeitfenster-Tickets, günstigere Tage in der Nebensaison oder ein echter Anreiz zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln würden mehr bewirken als der Preis allein. Das ist unsere Meinung; Einzelheiten dazu, wie das Schweizer Modell funktionieren würde, liegen uns nicht vor.
Drittens die Fairness. Einheimische, Talbewohner und Menschen, die sich schlicht keinen weiteren Posten im Urlaubsbudget leisten können, sollten nicht per Preis von einer Landschaft ausgeschlossen werden, die in einem sehr realen Sinn allen gehört. Ausnahmen und vernünftige Preise sind keine optionalen Extras.
Die bessere Reise plant man um die Massen herum
Es gibt auch einen eigennützigen Grund, das zu begrüßen. Niemand fährt stundenlang, um für ein Foto von türkisfarbenem Wasser Schlange zu stehen. Der Eibsee hat laut einem Bericht einen Rundweg von 7,5 km, und genau diese Art von Wanderung belohnt einen frühen Start oder einen Wochentag weit mehr als einen Hochsommermittag am Hauptaussichtspunkt.
Unser Urteil lautet also: Eine Gebühr ist nicht der Skandal. Der Skandal wäre, Menschenmassen dieser Größenordnung als Normalzustand eines empfindlichen Alpensees hinzunehmen. Wer einen Besuch am Oeschinensee plant, sollte sich vor der Abreise über den aktuellen Stand informieren, denn die Gebühr wurde als in Prüfung befindlich gemeldet, und wir können nicht sagen, wie weit das Verfahren ist. Außerhalb der Stoßzeiten reisen, wo möglich ohne Auto anreisen – und falls eine Gebühr kommt, sie an einem einzigen Maßstab messen: Lässt sich nachvollziehen, wohin das Geld geflossen ist?
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